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Prof. Dr. Ulrich Seiffert

Vom Versuchsingenieur bis in den Vorstand

Von Hans-Martin Barthold - Februar 2013


Ulrich SeiffertIngenieure und Künstler haben vieles gemeinsam. Mehr jedenfalls, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Beide müssen sie ihr „Thema“ finden. Dann gilt es für den einen mit unermüdlichem Fleiß zu üben und immer wieder zu üben, für den anderen mit eiserner Selbstdisziplin zu lernen und immer wieder zu lernen … Bis der Pianist hier auch die schwierigsten Passagen des Mozartschen Klavierkonzertes und der Maschinenbauer dort die kompliziertesten mathematischen Tools zur Volumenberechnung ungleichmäßiger Körper endlich mühelos und sicher beherrschen.

Und wenn dann „Thema“ ebenso wie „handwerkliche Perfektion“ noch auf einen gesellschaftlichen Resonanzboden, soll heißen: auf das Interesse und die Bedürfnisse der Menschen treffen, steht einer erfolgreichen Karriere kaum noch etwas im Wege.

So ähnlich muss es wohl bei Ulrich Seiffert gewesen sein, im Zenit seiner Karriere immerhin sieben Jahre lang Vorstand für Forschung und Entwicklung der Volkswagen AG. Schon bald nach seinem Eintritt in das Unternehmen begegnete der junge Versuchsingenieur einer Aufgabe, die zu seinem beruflichen Lebensthema werden sollte. Die Aufgabe hieß: Fahrzeugsicherheit. Und hat ihn bis heute nicht mehr losgelassen. „Mensch, Mobilität und Sicherheit“ – so umschreibt die WiTech Engineering GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter Seiffert seit seinem Ausscheiden aus der Volkswagen AG ist, ihre Geschäftstätigkeit. In den Büros am Braunschweiger Flughafen arbeitet der drahtige 71jährige noch täglich viele Stunden. „Ich bin nach wie vor neugierig“, bekennt Seiffert. „Wie am ersten Arbeitstag fasziniert es mich, nach Lösungen für Verkehrssicherheitsprobleme, Umweltschutz und Mobilitätsangebote zu suchen – und sie zu finden!“ Den dafür notwendigen Aufwand zur ständigen Wissensaktualisierung empfindet er als Lust, nicht als Last.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren: Fleiß, Stehvermögen und klare Ziele

In die Wiege war ihm das alles freilich nicht gelegt. Als die Familie mit dem vierjährigen Ulrich nach Krieg und Flucht aus der schlesischen Heimat in der bayerischen Provinz strandete, hatten Fragen nach Mathematik und Technik rein gar keine Bedeutung. Es ging ums nackte Überleben, um Essen, Trinken und ein Dach über den Kopf. Das sollte Folgen haben. Umzug nach Braunschweig nur ein paar Jahre später, Aufnahmeprüfung am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium. Das, was reichte, sich in der Dorfjugend behaupten zu können, half jetzt plötzlich nicht mehr weiter. „Von 128 aufgenommenen Schülern war ich der 129.“, erinnert sich Seiffert. Erst nach einer Woche Probeunterricht zeigte der Daumen des Direktors schließlich doch noch nach oben. Erleichterung allenthalben. Das aber war eine Lektion, die saß. Ohne Einsatz kein Erfolg! Diese Einsicht des kleinen Pennälers bestimmte fortan seinen Bildungs- und Berufsweg, sie leitet ihn auch heute noch.

Nardo/Italien 1980: der ARVW (AR: Aerodynamik Research), der schnellste Diesel der WeltDoch von vorn. Abitur ohne Ehrenrunde. Für die fünfziger Jahre nicht so normal, wie es für heutige Ohren klingt. Um eine spätere unfreiwillige Unterbrechung des geplanten Studiums zu vermeiden, meldete sich der frisch gebackene Abiturient anschließend sofort freiwillig zum Bundeswehrgrunddienst. Bei den Panzergrenadieren in der Braunschweiger Heinrich-der Löwe-Kaserne kommt Seiffert zum ersten Mal intensiv mit komplexer Technik in Berührung. Zu seinen bereits im Studium befindlichen ehemaligen Mitschülern hält er während dieser Zeit engen Kontakt, fragt ihnen das berüchtigte Loch in den Bauch, will wissen, welche Erfahrungen sie im Studium machen. „Das hat mir sowohl für die Selbstfindung, die Wahl des Studienfaches als auch den Studienstart sehr geholfen“, schaut Seiffert zurück. Über das Berufsziel gab es nun keine Unsicherheiten mehr. Und so hatte er zur Vordiplomprüfung den Zeitverlust gegenüber seinen ehemaligen Mitschülern bereits wieder wettgemacht. Das Rad nicht jedes Mal selbst neu erfinden zu müssen, sondern Wissen in Netzwerken zusammenzuführen, ist die zweite wichtige Einsicht Seifferts aus jener Zeit.

Unbedingte Voraussetzung: Mut für unbekannte Wege


Dann Studienabschluss in der Regelstudienzeit, im Maschinenbau damals noch weniger typisch als heute. Zumal Seiffert an den Wochenenden regelmäßig in einer Autowerkstatt jobbte und auch sein reparaturanfälliger Fiat 500 leider des Öfteren seiner technischen Kompetenzen und damit umfangreicher Anteile seines engen Zeitbudgets bedurfte. Ohne Einsatz kein Erfolg! Diese Formel bewahrheitete sich erneut. Im Übrigen nicht zum letzten Mal. Unter mehreren Stellenangeboten entschied sich der frisch diplomierte Ingenieur für die Volkswagen AG. Sie machte das attraktivste Angebot. Es war die Zeit, in der nicht mehr zu verdecken war, dass die Konzeption des guten alten Käfer an seine technischen Grenzen kam. Es war eine Zeit, in der die USA ihre Sicherheitsgesetze verschärften und es in Deutschland nicht wie heute 4.000, sonder mehr als 20.000 Verkehrstote gab. Es war die Zeit, als sich das Wolfsburger Unternehmen in mehreren Ländern umfangreicher Schadensersatzforderungen zu erwehren hatte. Der Käfer war zum unternehmerischen Risiko geworden, VW musste handeln, bevor es zu spät war.

Da kamen junge, einsatzbereite und leistungswillige Ingenieure wie Ulrich Seiffert gerade recht. „Das Arbeitszeitkonto besaß für uns keine Priorität“, bedeutet er. „Wir wollten einfach nur Lösungen für technische Probleme entwickeln. Das trieb uns an.“ Daneben besserte er sein Englisch auf, nahm schon bald an komplizierten Verhandlungen vor amerikanischen, australischen und schwedischen Gerichten teil. Die Erfolge, die dort erreicht wurden, sprachen sich schnell bis zum Vorstand herum. Und wurden belohnt – mit der Übertragung größerer Verantwortung, gewiss auch einer Aufbesserung des Gehalts, in jedem Fall aber noch mehr Arbeit. Abteilungsleiter Fahrzeugsicherheitsversuch, Hauptabteilungsleiter Fahrzeugsicherheit, mit 37 Jahren jüngster Bereichsleiter Forschung, kurzzeitig Bereichsleiter Aggregatentwicklung, schließlich Vorstand für Forschung, Entwicklung und Einkaufsstrategie lauteten Seifferts Karrierestationen. Parallel dazu gehörte er zum berühmten Golf I-Team und promovierte als berufstätiger Externer, natürlich über ein Sicherheitsthema („Probleme der Automobilsicherheit“), was sonst.

Die Fundamente einer Ingenieurkarriere: Technikbegeisterung und eine gute Grundlagenausbildung

Während seiner Zeit als Bereichsleiter Forschung und anschließend Vorstand Forschung und Entwicklung initiierte Seiffert viele Projekte, die Ingenieure noch heute mit der Zunge schnalzen lassen. Es ging um Verbrauchsabsenkung, Reduktion des cw-Wertes, Gewichtsverringerung, alternative Kraftstoffe wie Methanol und Äthanol, neuartige Werkstoffe für das Fahrwerk, den ersten Hybridantrieb mit einem Diesel-Elektro-Motor. „Wir testeten nicht selten die Grenzen des technisch Machbaren aus“, erinnert sich Seiffert. Manches war geradezu revolutionär. Seifferts Crew stellte Konzeptfahrzeuge auf die Beine wie etwa den „Sparmeister VW“, der mit einem Liter Sprit eine Reichweite von 1.500 km erzielte, wie den Aerodynamic Research VW, den Scirocco mit Biomotor oder den Scooter für Versuche in der Fahrdynamik. Darauf ist Seiffert noch heute stolz. „Gute Ingenieure“, glaubt er, „sind nun mal nicht zu bremsen.“

Versuchsstrecke Ehra-Lessien 1985: Ulrich Seiffert beim 24-Stunden-Dauertest mit dem Polo G-Lader – Weltrekord mit 208 km/hWas ergibt die Suche nach den Erfolgsfaktoren einer solchen Karriere? Da sind neben Fleiß und Einsatzbereitschaft sowie einer emotionalen Nähe zum Automobil eine ingenieurtechnisch breite Ausbildung, keine zu frühe und keine zu tiefe Spezialisierung schon im Studium. „Das trägt nicht“, ist Seiffert überzeugt. So kommt es nicht überraschend, dass Seiffert sich seine Sporen in Querschnittsfunktionen wie dem Versuch und der Sicherheitsentwicklung verdiente, besser vielleicht: verdienen konnte. Bereiche also, wo der Ingenieur so richtig zeigen kann, was er drauf hat, wo er stets alle Komponenten eines Fahrzeugs im Blick haben muss, heute neben der Mechanik immer stärker die Elektronik und Sensorik. Sodann ein klares Wort. Nicht arrogant, nicht aufdringlich, für den Gegenüber nicht verletzend, dafür aber in der Sache unmissverständlich. Und andere Meinungen zulassen, Mitarbeiter ermuntern, auch schlechte Ergebnisse zu präsentieren. „Nichts ist schlimmer, als wenn im Versuch und der Sicherheit, negative Ergebnisse aus Angst um das persönliche Fortkommen schöngeredet werden“, so Seiffert, denn das verhindere die Lösung des Problems.

Was trägt: Optimismus und Bescheidenheit

Führungsphilosophien sind eine Sache, das, was man als Führungskraft vorlebt, die andere, die entscheidende. Seiffert: „Meine Erfahrung ist, wer seinen Mitarbeitern und Verhandlungspartnern vertrauen möchte, der muss umgekehrt auch für sie vertrauenswürdig sein!“ Dazu gehöre Mut und Bescheidenheit, persönlich wie fachlich. Mut hatte Seiffert. Denn immerhin spielte die Sicherheitstechnik bis in die späten 60iger Jahre keine Rolle, eine entsprechende Abteilung gab es noch nicht. Seiffert betrat Neuland. Er traute sich gegen so manche Widerstände die Aufgabe zu und baute eine entsprechende Abteilung auf. Gleichwohl behielt er Bodenhaftung. „Als Ingenieur, besonders in Querschnittsfunktionen, ist man auf die Zuarbeit der Spezialisten angewiesen. Deren Erfolge müssen für alle sichtbar auch deren Erfolge bleiben. Ich darf sie nicht zu meinen machen.“ Aber man müsse dabei nüchtern zwischen Visionären und Träumern unterscheiden. „Denn Träumer führen einen technisch wie unternehmerisch in die Irre.“

Ein Vorletztes. „Ein Ingenieur muss hartnäckig sein“, betont Seiffert. „Das geht nicht, gibt es nicht!“ An diesem Punkt konnte er als Vorgesetzter sehr entschieden sein. „Während andere sich vielleicht mit Ausreden zu retten vermögen, werden Ingenieure immer am Ergebnis gemessen!“ Da habe man die Lösung oder habe sie nicht. „Und nur das zählt.“

Das Letzte: begnadete Ingenieure, wie Seiffert einer ist, sind wohl – gewissermaßen von Berufs wegen – immer auch unverbesserliche Optimisten. Das „rettete“ ihn auch nach seinem Ausscheiden bei Volkswagen nach fast dreißig Jahren Tätigkeit dort, als der damalige Vorstandsvorsitzende seine Hand nach Seifferts Ressort ausstreckte und es in Personalunion selbst führen wollte. Mit 55 begann er seine zweite Karriere als Unternehmer (WiTech Engineering GmbH) und wissenschaftlicher Koordinator (Zentrum für Verkehr der Technischen Universität Braunschweig). Der Blick aus seinem Büro auf den Hangar für die firmeneigene Flotte der Volkswagen AG ist deshalb kein Blick zurück im Zorn. Es ist der Blick auf eine abgeschlossene Lebensphase, es ist der Blick auf einen sehr erfolgreichen Lebensabschnitt.




Weiterführende Informationen
WiTech Engineering GmbH: http://witech-engineering.de/team.htm

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Fotos: privat


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