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Lehrer - Pausenlose Interaktion


Johanna TsukalidisPausenlose Interaktion

Von Hans-Martin Barthold | November 2012

Der Vorhang fällt, das Theaterstück einer sechsten Klasse in englischer Sprache ist zu Ende, die Grundschüler applaudieren ausgelassen und überschwänglich. Da nimmt sich eine Schülerin der Projektgruppe spontan das Mikrofon und ruft: „Ohne unsere Lehrerin hätten wir das nie geschafft!“ Auch jetzt noch, viele Monate später, verraten das strahlende Gesicht und die leuchtenden Augen das Glück, dass Johanna Tsukalidis, Lehrerin für Englisch und Kunst an der Fritz-Reuter-Realschule in Gifhorn, in diesem Moment verspürt haben muss.

Viele Unterrichtsstunden harter Arbeit lagen da hinter Johanna und ihren Sechstklässlern. Immer wieder Text lernen, proben, diskutieren, kritisieren, korrigieren, vor allem aber stets ermutigen, am wichtigsten jedoch, keinen einzigen Schüler auf dem Weg zum Erfolg verlieren. Bis es endlich klappte. So viel Power mag manch einer der zierlichen jungen Frau mit der sanften Stimme gar nicht zutrauen. Aber Johanna Tsukalidis besitzt etwas, was für einen Lehrer (über)lebensnotwendig ist. Wenn Sportreporter die psychische Stärke eines Athleten beschreiben wollen, sprechen sie davon, dass der sehr „präsent“ ist. Für Johanna könnte es kein besseres Attribut geben. Denn wer dieser jungen Frau begegnet, spürt es sofort: da ist jemand, der füllt mit seiner Persönlichkeit den Raum. Da ist eine Frau, die ganz souverän fachliche Kompetenz mit menschlicher Zuwendung vereint. Da ist einer bereit, andere zu akzeptieren, ohne Vorbedingungen zu stellen. Schüler haben für solche Menschen feine Antennen. Und deshalb kommt Johanna Tsukalidis im Schulalltag auch ohne gekünstelte Coolnes und ohne lauten Kommandoton aus.

Im KunstunterrichtFachkompetenz und Persönlichkeit


Johanna und ich haben uns für den Nachmittag verabredet. „Während der Unterrichtszeit bleibt mir für so etwas keine Ruhe“, erklärt sie und lacht entschuldigend. Johanna hat das Gifhorner Otto-Hahn-Gymnasium besucht und dort 2004 das Abitur gemacht. Schon während dieser Zeit stand ihr Berufsziel Lehrer fest. Nicht, weil sie es besser machen wollte als die eigenen Lehrer, sondern weil sie die Mischung aus erziehungswissenschaftlicher Theorie, deren praktischer Anwendung und der Wissensvermittlung eines Faches faszinierte. Dem gleichen Muster folgte die Wahl ihrer Fächer für das Studium an der Universität Hildesheim: Kunst mit der Betonung auf dem praktischen Tun, Englisch für das Einüben in eine, klaren Linien folgende Systematik, dazu in beiden Fächern stete Interaktion und Kommunikation. „Ich habe mit meinem Beruf genau die Mischung gefunden, die ich immer gesucht hatte“, ist sie sich heute sicher.

Dass ihr das gelungen ist, entpuppt sich bei näherem Hinsehen freilich nicht als Zufall. Schließlich hat Johanna ihre Studienwahl intensiv und zielgerichtet vorbereitet. Schon lange vor dem Abi brachte sie bei der DLRG kleinen Kindern das Schwimmen bei, gehörte sie in der örtlichen Kirchengemeinde zum Kindergottesdienstteam und nutzte das Schulpraktikum während der 11. Klasse für eine zielgerichtete Stippvisite in der Grundschule. „Mit all diesen Aktivitäten wollte ich ausprobieren, ob ich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten kann“, blickt sie zurück. Die Erfahrungen machten ihr Mut, aber sie reichten der Abiturientin nicht aus.

Organisationstalent plus Zeitmanagement

Deshalb musste das Studium noch warten. Johanna entschied sich zunächst für ein sechsmonatiges Freiwilliges Soziales Jahr in einer Kindertagesstätte, anschließend ging sie als Au Pair nach Griechenland, der Heimat ihres Vaters. Dort wartete eine Familie mit vier (!) Kindern auf sie. „Wie in der Schule jetzt“, erzählt sie, „waren da tagtäglich viele schnelle Entscheidungen gefragt.“ Zum Luftholen ließen die zahlreichen Aufgaben nur wenig Zeit. Noch weniger Gelegenheiten blieben, über das Woher und Wohin dieser Welt zu philosophieren. Doch das vermisste Johanna nicht. „Ich bin eher ein Macher“, sagt sie über sich, und weiß nach den ersten Berufsjahren, dass das eine wichtige Voraussetzung für den Lehrerberuf ist.

Gleichwohl gilt es, besonders in der Unterrichtsvorbereitung alle Interaktionsmöglichkeiten – die eigenen wie die der Schüler – sehr gründlich zu analysieren und zu durchdenken. Etwas, was Johanna Tsukalidis viel Freude bereitet, auch wenn es ihr neben den Korrekturen der zahlreichen Tests und Klausuren einen hohen Zeitaufwand abfordert. „Diese Seite des Lehrerberufs übersieht man als Schüler häufig“, war auch Johanna überrascht, obwohl doch das Curriculum der Universität Hildesheim bereits sehr frühe Praktika in der Schule vorschrieb. Kaum geringer sind die Anforderungen an das organisatorische Talent, besonders seit sie Klassenlehrerin ist. Klassenfahrten, Termine mit der Berufsberatung, Schülerpraktika und Schulfeste kosten viele Stunden Vorbereitung, Pausenaufsichten ein effizientes Zeitmanagement. Da Schulbücher regionale Besonderheiten nicht berücksichtigen können, erstellt sie oft selbst zusätzliche Arbeitsblätter, um an der lokalen Erlebniswelt ihrer Schüler anzuknüpfen. Auch das kostet einen hohen Zeitaufwand. „Da hilft es, dass ich bei meinen vielen außerschulischen Aktivitäten gelernt habe, mich selbst gut zu organisieren“, weist sie auf einen weiteren Big Point für zukünftige Lehrer.

Orientierung geben

Mit jungen Menschen zu arbeiten, hat Johanna inzwischen erfahren, stellt vielfältige Anforderungen. Eine davon heißt, Schülern Orientierung zu geben. Sie müssen lernen, Regeln einzuhalten. Zwar binde sie die Schüler bei deren Erarbeitung mit ein, aber dann sei es vor allem ihre Aufgabe, auf deren Einhaltung zu achten. Der Auftrag des Lehrers dabei? Er muss die hierbei entstehenden Gruppenprozesse analysieren und steuern können. Denn Regeln und Grenzen müssen einen Sinn erkennen lassen. Und all dies gilt es dann auch, gegenüber den Eltern als den wichtigsten Verbündeten eines Lehrers zu vertreten. Keine leichte Aufgabe gerade für eine junge Lehrerin. Immerhin sind die meisten Eltern älter als Johanna. Da gilt es weniger, den pädagogischen Experten zu geben, als vielmehr die Eltern mit Fingerspitzengefühl von der Richtigkeit der eigenen fachlichen Lösung zu überzeugen.

Doch das ist noch immer nicht alles. Als Lehrer zu arbeiten und zu unterrichten, bedeute mehr als nur einen Perspektivwechsel, erklärt mir meine Gesprächspartnerin. „Ich bin Wissensvermittlerin, Erzieherin und Richterin zugleich – und gar nicht selten gerät die eine Rolle mit der anderen in Konflikt.“ So entscheidet der Lehrer am Ende des Schuljahres über Sein oder Nichtsein, Versetzung oder Wiederholung, Bleiben oder Gehenmüssen, stellt er damit wichtige Weichen im Leben junger Menschen. „Das empfinde ich als das Schwierigste in meinem Beruf und manchmal habe ich den Eindruck, es zerreißt mich“, seufzt Johanna Tsukalidis.

Um jeden Schüler bemühtNichts für Weicheier

So wird am Ende unseres Gespräches eines klar, der Lehrerberuf ist nichts für Weicheier. Es ist Schwerarbeit. Dass das in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer nicht angekommen ist, erfährt Johanna wie ihre Kollegen in vielen Situationen. „Und wenn es nur ein mitleidiges Lächeln im Bekanntenkreis ist.“ Der Vorsitzende des Lehrerverbandes, Josef Kraus, spricht gar von einer offiziellen Dequalifizierung des Berufsstandes. Beispiel: Das Lehrervotum zur Wahl einer weiterführenden Schule nach der Grundschulzeit hat in Niedersachsen keine Bindewirkung. Die Eltern entscheiden. Dabei zeigt die Statistik, dass die Lehrer mit ihren sehr verantwortlichen Empfehlungen fast immer richtig liegen. Lehrer, besonders die der weiterführenden Schulen, leiden darunter, noch viel mehr aber die Schüler. Viele Misserfolge wären ihnen erspart geblieben, wenn man der fachlichen Kompetenz der Lehrer vertraut hätte.

Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, die Suche nach den letzten Rationalisierungspotentialen macht auch vor den Schulen nicht halt. Kultusminister berechnen heute, wie viel ein Schüler pro Jahr kostet. Nicht zum Zeitvertreib, sondern um das Bewusstsein der Lehrern dafür zu schärfen, mit welchem finanziellen Verlust eine Klassenwiederholung oder umgekehrt welchem Gewinn das Überspringen einer Jahrgangsstufe verbunden ist. Demnächst wird Johanna Tsukalidis die Integration der Förderschulen in die allgemeinbildenden Schulen (Schlagwort Inklusion) zu bewerkstelligen haben. Neben pädagogischen Argumenten zählen auch hier vor allem Kostengesichtspunkte. Die Vorbereitung der Lehrer darauf ist gering, der Erfolgsdruck umso höher. „Lehrer werden zu wollen, sollte deshalb Herzensanliegen sein, aber keine Entscheidung, getroffen, weil einem nichts Besseres einfällt. Sonst zerbricht man“, beendet Johanna unser Gespräch ernst und fröhlich zugleich. Die Besserwisser dieses Landes aber dürften um ein Klischee ärmer sein. Von wegen: Lehrer werden geboren, haben Ferien und gehen anschließend in Rente.

Daten, Fakten &Links
(Stand: 31.10.2012)
Alle nachfolgenden Angaben sind auf vollzeitäquivalente Stellen umgerechnet. Die Zahl der tatsächlich berufstätigen Personen/Lehrer (Vollzeit beschäftigte, Teilzeit beschäftigte und stundenweise beschäftigte Lehrer) ist also höher!

Berufstätige Lehrer*): 731.993 (Niedersachsen: 75.491; davon 69,8 % Frauen)
- allgemeinbildende Schulen: 614.110 (Niedersachsen: 63.010)**)
Grundschulen: 164.663 (Niedersachsen: 17.231)
Sekundarbereich I: 296.739 (Niedersachsen: 30.473)
Sekundarbereich II: 82.660 (Niedersachsen: 8.793)
Förderschulen: 66.087 (Niedersachsen: 6.306)
- berufsbildende Schulen: 117.883 (Niedersachsen: 12.481)

*) Quelle: Kultusministerkonferenz (KMK) 2012
 **) Summendifferenzen infolge Zuordnungsdifferenzen


Lehrerbedarf 2020***): 715.865 (Niedersachsen: 73.628)
- allgemeinbildende Schulen: 619.156 (Niedersachsen: 60.794)
Grundschulen: 147.309 (Niedersachsen: 14.525)
Sekundarbereich I: 291.142 (Niedersachsen: 28.575)
Sekundarbereich II: 126.028 (12.847)
Förderschule 54.677 (Niedersachsen: 4.847)
- berufsbildende Schulen: 95.925 (Niedersachsen: 12.625)

***) Quelle: Prof. Dr. Klaus Klemm, Essen

Neueinstellungen (Lehrerbedarf und Lehrerangebot) 2020****):

................................Lehrerbedarf......Lehrerangebot
gesamt                             22.600       31.300
davon:
Grundschulen                      4.300          4.500
Sekundarbereich I                5.000          6.000
Sekundarbereich II               4.700        10.500
Förderschulen                      1.900         2.300
berufsbildende Schulen          2.900         2.800

****) Quelle: Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK)


Einstellungsbedarf nach Fächern*****):
Grundschulen: Chemie, Physik, Englisch, Musik/Kunst/Gestaltung/Werken, Sport Sekundarbereich I: Mathe, Physik, Englisch, Französisch,
Kunst/Gestaltung/Werken, Musik, Sport
Sekundarbereich II: Mathe, Chemie, Physik, Informatik, Latein
Förderschulen: alle Förderschwerpunkte
berufsbildende Schulen: berufliche Fachrichtungen Metall-, Elektro- sowie
Fahrzeugtechnik, Fremdsprachen, Mathematik

*****) keine Differenzierung nach Bundesländern; 
Quelle: Prognose der Kultusministerkonferenz (KMK)


Lehrereinstellungsbedarf und –angebot in der Bundesrepublik Deutschland:
http://www.kmk.org/statistik/schule/statistische-veroeffentlichungen/lehrereinstellungsbedarf-und-angebot.html



Monitor Lehrerbildung

www.monitor-lehrerausbildung.de


Selfassessment Lehrer: http://www.cct-germany.de/de/0/pages/index/39

Referendare berichten über ihre ersten Praxiserfahrungen: http://www.zeit.de/campus/2008/01/hoelle-referendariat

Literatur: Willms, Jennifer: Studienführer Lehramt, Marktheidenfeld 2011 (ISBN 978-3-89694-467-2)

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Fotos: Piper-Freisem


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