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Physikalisch-Technische Bundesanstalt


Physikalisch-Technische Bundesanstalt Braunschweig Die Messprofis
Von Hans-Martin Barthold | November 2012

„Wenn im 3.000 km entfernten Gibraltar auch nur geringe Mengen radioaktiver Abfälle verbrannt würden, könnten wir das mit unseren Geräten noch in Braunschweig nachweisen“, veranschaulicht Paul Jürgen Dickers die einzigartige Messkompetenz der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt.

Die PTB, wie sie von allen nur genannt wird, ist das deutsche Kompetenzzentrum für Metrologie (Wissenschaft des Messens), bekannt vor allem durch die Atomuhr. Genauigkeitstoleranzen im Nanobereich, das sind immerhin neun (!) Stellen hinter dem Komma, sind hier über alle Messbereiche hinweg schon lange Alltag.

Die Mitarbeiter der PTB wissen dabei um die volkswirtschaftliche Verantwortung ihres Hauses. Denn, so Dickers: „Moderne Hightech ohne Präzisionsmesstechnik ist heute undenkbar.“ Das entsprechende Knowhow dafür vor- und stets auf dem neuesten Stand zu halten, darauf ist man stolz in der Welfenstadt. Schließlich sichert es nicht weniger als die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungs- und Industriestandortes Deutschland, ist deshalb „Made in Germany“ noch immer ein Gütesiegel. So wie es keinen Regen ohne Wolken gibt, bedarf auch jede Qualitätssicherung höchster Messgenauigkeit. „Und wir sind es, die die Zeit, das Meter, das Kilogramm sowie alle anderen physikalischen Einheiten machen“, sagt Dickers stolz.

Kraftmessgerät bis 2.500.000 Newton - Die Schubkraft eines Jumbojets beträgt rund 900.000 NewtonGelobtes Land für Physiker

Was der groß gewachsene freundliche Mann höflich verschweigt, in nicht wenigen Kompetenzfeldern besitzen die Braunschweiger national wie international sogar eine Alleinstellung. Das macht sie zu begehrten Partnern weit über die deutschen Grenzen hinaus. Dies gilt im Übrigen auch für Messverfahren im Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutz. Wenn es noch eines Ausweises über die Leistungsfähigkeit der Braunschweiger Messkönige bedurft hätte, der deutsche Wissenschafts-TÜV lieferte ihn jüngst. Das Lob des Wissenschaftsrates war für das dreiköpfige Präsidium, bezeichnenderweise allesamt Physiker, und die PTB als Ganzes der Ritterschlag, gleichsam die Aufnahme in den Adelsstand wissenschaftlicher Eliteeinrichtungen.

Beruflich reicht das Spektrum der 1.700 Beschäftigten vom Physiker, über Elektroingenieure und Systeminformatiker bis hin zum Fotografen. Alle diese Berufe folgen ihrem jeweils eigenen Anforderungsprofil, auch wenn ihnen die Arbeitsumgebung in der PTB unbestreitbar ein besonderes Maß an Präzision und Verlässlichkeit abverlangt. Bei der Auswahl seiner dualen Studenten legt Paul Jürgen Dickers auf deren mathematische Kompetenzen indessen allergrößten Wert. „Bei allen anderen Berufen bleiben die Voraussetzungen im Rahmen deren Ausbildungsverordnung“, formuliert der Ausbildungsleiter nüchtern.

Karriereplanung im Grünen

Das Gelände der PTB, von Insidern liebevoll auch als „Stadt der Physiker“ bezeichnet, liegt im Westen Braunschweigs. Es erinnert eher an das Areal einer Kurklinik mit gehobenem Ambiente als an das einer wissenschaftlich-technischen Einrichtung. Auf über einen Quadratkilometer verteilen sich die verschiedenen Großlaboratorien und Hallen mit zahlreichen riesigen Messmaschinen. Dazwischen schweift der Blick auf weitläufige Grünflächen und einen herrlichen alten Baumbestand. In einer solchen Umgebung arbeiten zu dürfen, scheint für so manche mathematisch-physikalische Mühsal zu entschädigen, und wird von der Belegschaft durchaus als Privileg empfunden.

Organisatorisch ist die PTB am Standort Braunschweig in sieben Fachabteilungen mit sechzig Fachbereichen untergliedert. Zwei weitere Fachabteilungen sind in Berlin angesiedelt. Die PTB ist eine dem Wirtschaftsministerium unterstellte technische Oberbehörde, also kein privatwirtschaftliches Unternehmen. Weshalb in ihr die Tarifbestimmungen des Öffentlichen Dienstes gelten – mit allen Vorzügen, aber auch allen Nachteilen. Einer größeren Planbarkeit der Karriere sowie einer gewissen Sicherheit des Arbeitsplatzes steht freilich ein im Vergleich zur Industrie niedrigeres Gehaltsniveau gegenüber. Frauen indessen wissen die PTB als familienfreundlichen Arbeitgeber zu schätzen. Während die Eltern arbeiten, werden schon ihre Kinder unter drei Jahren ganztägig bei den „Kleinen Murmeltieren“ betreut.

Siliziumkugel in einem Kugelinterferometer Aufgaben vom Wirtschaftsminister

Die in den Fachabteilungen gebündelten und der PTB vom Gesetzgeber vorgegebenen Aufgaben lesen sich so trocken wie das Inhaltsverzeichnis eines Schulbuches für das Fach Physik: Mechanik und Akustik, Elektrizität, Chemische Physik und Explosionsschutz, Optik, Fertigungsmesstechnik, Ionisierende Strahlung, Temperatur und Synchronstrahlung, Medizinphysik und metrologische Informationstechnik, dazu die Abteilung für Querschnittsaufgaben. Dahinter verstecken sich allerdings spannende Projekte, an denen sich auch Studenten wie Doktoranden beteiligen und so für eine spätere Bewerbung beim Arbeitgeber PTB attraktiv machen können.

So etwa in der Medizintechnik, wo es den Mitarbeitern der PTB vor kurzem gelang, in Zusammenarbeit mit der Berliner Charité ein völlig neues und noch genaueres Verfahren zur Erkennung von Krebsgeschwülsten zu entwickeln. Medizinern war schon länger bekannt, dass sich in Karzinomen körpereigene fluoreszierende Stoffe anreichern. Das Problem allerdings, diese Stoffe leuchten nur ganz kurze Zeit, um genau zu sein nur 16 Nanosekunden, weniger als einen Wimpernschlag also. Für die Messprofis der PTB dennoch kein Problem. Und auch auf dem Feld der E-Mobilität wussten sie Hilfe. Elektroautos haben bekanntlich systembedingt noch eine geringe Reichweite. Ihre Batterien müssen oft aufgeladen werden. Einfache Lademöglichkeiten, am besten eine Steckdose an jedem Parkplatz, würde Kunden die Kaufentscheidung deshalb gewiss erleichtern helfen. Auch hier haben die PTB’ler eine Lösung entwickelt: eine ins Fahrzeug eingebaute Messeinheit. Sie erfasst auf die Milliwattstunde genau, wer wo wie viel Energie von welchem Energielieferanten geladen hat. Die Produktion der Millionen Steckdosen würde so keinen großen technischen Aufwand erfordern, die Herstellungskosten könnten niedrig gehalten werden.

Wissenschaftler und Berater

Das Knowhow der PTB wird schließlich auch von zahlreichen Gremien nachgefragt, insbesondere wo es um die Festlegung technischer Standards geht. Das erfordert von den betreffenden Mitarbeitern nicht nur die Bereitschaft zum häufigen Kofferpacken, sondern verlangt ihnen darüber hinaus ein ganz außerordentliches politisches Fingerspitzengefühl ab. Immerhin gilt es da, in einem meist intransparenten Geflecht unterschiedlichster wirtschaftlicher wie politischer Interessen die Fahne der Metrologie als exakter Wissenschaft hoch zu halten. Dass jedoch auch die Kritiker bislang noch stets die fachliche Reputation der PTB anerkennen mussten, lässt Paul Jürgen Dickers hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Und so dürfte die bereits 125 Jahre währende Geschichte der Braunschweiger Messprofis noch lange nicht zu Ende sein.

Unternehmenssteckbrief
(Stand: November 2012)

Unternehmensform: technische Oberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI)
Hauptsitz: Bundesallee 100, 38116 Braunschweig
Weiterer Standort: Institut Berlin, Abbestraße 2 – 12, 10587 Berlin
Mitarbeiter: 1.700
Jahresetat: 130 Mio. €
Ausbildungsmöglichkeiten: Elektroniker/in für Energie- und Gebäudetechnik, Elektroniker/in für Geräte und Systeme, Feinwerkmechaniker/in Fachrichtung Feinwerktechnik, Fotograf/in, IT-Systemelektroniker/in, Mediengestalter/in, Physiklaborant/in
Nur am Standort Berlin: Fachangestellte/r Bürokommunikation, Verwaltungsfachangestellte/r, Systeminformatiker/in, Tischler/in
Duales Studium: Elektrotechnik
Bewerbungen: Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Personalstelle, Bundesallee 100, 38116 Braunschweig oder Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. (Bewerbungsschlusstermin für den Ausbildungsbeginn 2013 ist der 23.11.2012)
Kontaktmöglichkeiten: Paul Jürgen Dickers, Tel.: 0531 – 5929240
eMail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Internet: www.ptb.de

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Fotos: Physikalisch -Technische Bundesanstalt


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